Synchronisation Braun/PC

Es muss nicht immer ein Elmo GS-1200 sein, um einen Synchronlauf mit dem PC hinzukriegen. Für weniger Geld gibt es da den Braun Visacustic 1000 oder 2000 stereo. Nachteil ist allerdings, dass der 1000er nur 180m-Spulen und der 2000er nur 240m-Spulen fasst. Aber dieses Problem kann mit einer Langlaufeinheit auch umgangen werden. Ich gehe mal davon aus, dass wir Komplettfassungen mit dem PAL-DVD-Ton synchronisieren möchten.

Da ich nirgendwo im Internet eine “richtige” Anleitung gefunden habe, baute ich diese Seite. Das Grundverfahren ist grundsätzlich nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern Filmfreund Jörg Niggemann hat es mir für seinen Elmo GS gezeigt. Ansonsten habe ich mich dann ein bisschen reingearbeitet und es für den Braun angepasst.

Mit Sicherheit gibt es noch andere Varianten, aber ich stelle hier einfach mal meine Vorgehensweise vor.

Benötigt werden:

  • Braun Visacustic 1000 stereo (oder eben der 2000er)
  • Braun Visacustic Steuergerät
  • CoolEdit 2000 oder Adobe Audition (beides sind keine Free- oder Shareware !)
  • Kabel mit 6pol-(Video-)-DIN-Stecker auf Cinch oder 3,5mm- Klinke
    (muss man selbst bauen ! - siehe unten)
  • Adapter 5pol-Audio-DIN auf 4x Cinch-Kupplung
  • Kabel 3,5mm-Klinke auf 2x Cinch
  • Adobe Premiere 1.5 oder neuere Version (ich benutze 2.0)
  • ASIO-fähige 5.1-Soundkarte (z.B. Terratec DMX 6fire 24/96 oder Soundblaster Live 5.1 mit modifiziertem Treiber) (Tipp: Oft funktioniert auch ASIO4ALL !)
  • Videokamera mit Firewire-Ausgang

 

Das Video-DIN-Kabel

Zunächst muss das DIN-/Cinch-Kabel hergestellt werden, da Pin 5, der das Steuersignal trägt, originär bei den käuflichen Adaptern meistens unbelegt ist. Als Grundlage diente ein handelsübliches 6pol-DIN- Kabel, es kann aber auch ein SCART-Kabel sein, das man einfach steckerlos macht.

Die Original-Belegung sieht folgendermaßen aus (Draufsicht):

Stecker:
Belegung des Video-DIN-Steckers

1 = Leer
2 = Video
3 = Masse
4 = Audio links
5 = Leer
6 = Audio rechts

Buchse:
Belegung der Video-DIN-Buchse

 

Das die meisten fertigen Kabel “gespritzte” Stecker haben, kommt man an die Kontakte fast nicht ran. Also habe ich mir bei Conrad-Electronic welche bestellt (Bestell-Nr. 737453-62). Von dem Kabel benötigen wir lediglich das Massenkabel und ein weiteres, dessen Farbe aber egal ist. Die Masse muss nun auf Pin 3 oder Pin 4 (welchen ich benutzt habe) und das Steuersignal-Kabel auf Pin 5 gelötet werden (ist von der Lötseite aus gesehen rechts
unten). Auf der Cinch-Seite kommt letzteres an den Pin, der vorne rausschaut.

 

 

Das 1000 Hz-Signal

Damit das Steuergerät die richtigen Impulse vom PC bekommt, benötigen wir ein Signal, das 25x in der Sekunde einen Ton mit der Frequenz 1000 Hz liefert. Analog funktioniert das natürlich auch mit 18 oder 24 Bilder/sek. Dafür muss man das Signal natürlich auf die benötigte Bilderzahl anpassen und die Abstände dazwischen entsprechend vergrößern. Das mit den 25 Bildern resultiert daraus, dass die DVD’s mit dieser Bilder-Frequenz laufen - also eigentlich 1 Bild/s  schneller, als die Kinofassung und daher auch in der Laufzeit kürzer.

Da für die Bearbeitung Adobe Premiere benutzt wird, braucht das Signal eine Samplerate von 48 kHz.

Beides kann man entweder mit der Software “Adobe Audition” oder mit deren Vorgänger CoolEdit bewerkstelligen. Von beiden gibt es eine 30-Tage-Testversion, die euch aber für die einmalige Erstellung des Signals in entsprechender Länge ausreichen sollte. Jedoch ist der Download der Audition-Testversion 225 MB groß ! Die CoolEdit-Testversion gibt es hier... (Größe: 7,56 MB)

Für diejenigen, die sich die ganze Sache einfach machen möchten, gibt es hier ein Beispiel mit einer Länge von 5 sek (ZIP-Datei). Wenn ihr diesen verlängern wollt, achtet auf den korrekten Abstand beim Anfügen. Es empfiehlt sich, dieses Signal immer “am Stück” zu benutzen. Also entsprechend lange wählen.

 

 

Die Verbindungen herstellen

Zunächst verbinden wir den Ausgang des Center-Signals und den Signal-Eingang des Steuergerätes durch unser DIN/Cinch-Kabel.

Das Klinke/Cinch-Kabel kommt nun vom Front-Signal-Ausgang auf unseren Audio- DIN- Adapter, welcher dann an die Phono-Buchse des Visacustics angeschlossen wird. Bei dem von mir verwendeten DIN-Adapter von Vivanco muss ich komischerweise die rechte Eingangskupplung (rot) für den linken Aufnahme-Kanal (Spur 1 - weißer Stecker) und die linke Ausgangskupplung (weiß) für den rechten Aufnahmekanal (Spur 2 - roter Stecker) verwenden.

 

 

Das Abfilmen

Für die Aufnahme unseres Filmes auf den PC benötigen wir nun zum einen am Besten eine Audio-Software, die ASIO unterstützt. Ich für meinen Teil habe glücklicherweise eine Vollversion von Steinbergs WaveLab, aber an und für sich sollte es auch mit jeder anderen Wiedergabe-Software (z.B. Winamp usw.) Hauptsache ist, sie unterstützt 48 kHz-Dateien.

Des Weiteren brauchen wir eine Software, die das von der Kamera gesendete Signal direkt aufnehmen kann. Dies funktioniert fürgewöhnlich auch mit Adobe Premiere, aber komischerweise bekomme ich bei mir kein Vorschaubild angezeigt. Von daher benutze ich für die Aufnahme Pinnacle Studio.

Jetzt suchen wir uns ein geeignetes Startbild für unsere Aufnahme, welches dann bei der eigentlichen Synchronisation wieder als Beginn unserer Wiedergabe dient. Oftmals befindet sich vor einem Einzähler ein Bild namens “Picture Start”, welches ich eigentlich immer benutze.

In die Audio-Software laden wir nun unser Steuersignal und machen die Video- Software bereit zur Aufnahme.

Durch Drücken des Knopfes “Speicher Reset” am Steuergerät machen wir dieses bereit zum Empfang unseres Steuersignals. Es darf kein anderer Knopf gedrückt sein !

Danach drehen wir den Schalter des Visacustics in die Wiedergabestellung, ob mit oder ohne Ton ist hierbei egal. Auf jeden Fall darf er sich noch nicht bewegen.

Zuerst starten wir nun die Aufnahme durch unsere Video-Software und schicken anschließend mit unserer Audio-Software das Signal an unser Steuergerät.

Nun sollte der Visacustic loslaufen und wir können den gesamten Film abfilmen. Die Video- Aufnahme auf unserem PC darf keine ausgelassenen Frames beinhalten.

 

 

DVD-Dateien vorbereiten

Damit wir die Dateien mit Adobe Premiere bearbeiten können, müssen Bild und Ton getrennt vorliegen. Kopiert hierzu zunächst die DVD auf euren PC. Wie dies geschieht, möchte ich allerdings nicht näher ausführen. Zum Demuxen - also dem Trennen in Bild und Ton - benutze ich die Software DVD2DVD-R, die auch in einer Freeware-Version mit eingeschränktem Funktionsumfang erhältlich ist, aber für unseren Zweck ausreicht. Zum Download der Software müsst ihr euch dort allerdings registrieren.
“Project X” würde aber auch funktioneren.

Oftmals liegen die Audio-Spuren dann im AC3-Format vor, welches aber von Adobe Premiere nicht importiert werden kann. Mit der Software “Head AC3 he” können wir diese aber in einen 48 kHz-Stereo-WAV-File konvertieren.

Liegen nun alle Dateien einzeln vor, dann können wir mit der Bearbeitung starten.

 

 

Die Bearbeitung

Dies passiert also in Adobe Premiere. Da das Programm teilweise doch recht komplex ist, werde ich nicht jeden Arbeitsschritt einzeln erklären, sondern mich auf das Wichtigste beschränken. Sonst würde es einfach den Rahmen sprengen. Ein bisschen was müsst ihr also auch selbst herausfinden ;-)

Wählt in dem Eröffnungsfenster zunächst “Neues Projekt”. Legt den Speicherort und den Namen des Projektes zwar fest, aber drückt noch nicht auf “OK”, sondern wechselt in das Register “Benutzerdefinierte Einstellungen” und wählt dort auf der linken Seite den Eintrag “Standardsequenz”.

Im Bereich “Video” wählt 2 Spuren.

Bei Audio stellt zunächst den Master-Dropdown auf 5.1. Des weiteren benötigen wir 1 Mono- (für Steuersignal) sowie 3 Stereospuren (1x Filmaufnahme, 1x Tonspur Deutsch, 1x Tonspur Englisch).

Nun könnt ihr auf “OK” klicken und das neue Projekt anlegen lassen.
Um die Übersicht zu bewahren, sollten die Spuren zuerst entsprechend ihrem Inhalt benannt werden.

Ansicht Fenster Adobe Premiere Pro

 

Importiert nun in das Projekt eure ganzen Dateien inkl. des Steuersignals. Dies geschieht mittels rechtem Mausklick in der Dateiliste. Wählt dann “Importieren”.

Importieren von Dateien

 

Dieser Vorgang nimmt einige Zeit in Anspruch. Auch wenn die Dateien bereits in der Dateiliste sichtbar sind, können sie nicht direkt bearbeitet werden. Premiere muss sie erst für die Benutzung “aufarbeiten”. Rechts unten in der Statusleiste seht ihr, welche Datei gerade in Bearbeitung ist.

Nachdem dies abgeschlossen ist, zieht die Dateien in die jeweiligen Spuren. Das Steuersignal lassen wir aber zunächst mal aussen vor. Sofern ihr die abgefilmte Version als AVI vorliegen habt, werden Bild und Ton parallel in der Leiste auftauchen und bereits verbunden sein.

Anders sieht es bei den DVD-Dateien aus. Achtet darauf, dass sie parallel starten! Nun markiert ihr diese, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt im aufgehenden Kontextmenü den Punkt “Verknüpfen”.

Verknüpfen von Spuren

 

Hiermit ist gewährleistet, dass auch beim Verschieben der Spuren diese immer synchron bleiben.

Es ist auch möglich, die Bildgröße in der Vorschau zu ändern. Ich empfehle, das DVD-Bild in der vollen Auflösung zu lassen, das Super 8-Bild zu verkleinern und es in eine Ecke des Vorschaufensters zu schieben.

Ansicht für die Synchronisation

 

Sucht nun zunächst in der Super 8-Bildspur euer Startbild, schiebt den Startpunkt bis dahin und anschließend die Spur an den Anfang.

Jetzt beginnt der eigentliche Synchronisierungsvorgang. Fahrt mit der Wiedergabe an eine Stelle am Anfang mit “hartem” Szenenwechsel in der Super 8-Spur. Schiebt nun die DVD- Bildspur so lange, bis auch dieser dort erscheint. Durch die Verknüpfung werden die Tonspuren automatisch mit verschoben. Geht nun den Film durch und kontrolliert, ob die Bilder bei Szenenwechseln immer synchron sind. Ist dies nicht mehr der Fall, so sucht die Stelle, bei der die Abweichung beginnt und wählt im Menü “Sequenz” den Punkt “An aktueller Zeitposition durchschneiden”.

Sequenz durchschneiden

 

Korrigiert anschließend die DVD-Spur entsprechend der Abweichung. Auch wenn die Super 8- Spur mit durchgeschnitten wird, darf diese niemals verändert werden. Aber das dürfte wohl klar sein ;-)

Wenn ihr dann den ganzen Film durchgearbeitet habt, schiebt nun noch das Steuersignal in die entsprechende Tonspur.

Bevor wir das Ganze aber benutzen können, müssen wir noch ein paar Audioeinstellungen machen. Wählt hierzu das Register “Audiomixer” links neben der Bildvorschau.

5.1-Konfiguration

 

Schiebt dort die Punkte des Steuersignals sowie der deutschen Tonspur nach vorne in die Mitte. Beim Steuersignal muss der “Center”-Regler auf 100 % und beim deutschen Ton auf 0 stehen. Den englischen Ton schiebe ich immer in den Rear-Bereich und schalte ihn anschließend aus. Auch dort muss der Center auf 0% stehen.

Um den Rechner zu entlasten, empfiehlt es sich, alle Spuren, die man nicht braucht, zu deaktivieren. Markiert hierzu zunächst alle Elemente der Super 8-Bildspur, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt im Kontextmenü “Aktivieren”, um so dort das Häkchen heraus zu nehmen.

Aktivieren von Spuren

 

Anschließend erscheint die Spur hell. Damit ihr später aber noch wisst, was denn genau euer Synchronbild war, geht ganz an den Anfang, fahrt 3 Bilder vor und schneidet die Spur wieder durch. Nun eben diese Sequenz mit 3 Bildern anklicken und das Häckchen bei “Aktivieren” wieder setzen. Jetzt sollten nur diese 3 Bilder wieder dunkel sein.

Ansicht aktivierte und deaktivierte Spur

 

Wenn ihr alles richtig gemacht habt, so wird nach diesen 3 Bildern im Vorschaufenster der Super 8-Teil verschwinden. Deaktiviert danach mittels einfachem Klick noch das Lautsprechersymbol in der nicht gewünschten Tonspur.

Danach sollte nun eine synchrone Wiedergabe zwischen PC und dem Braun möglich sein. Dennoch kann es sein, dass man hie und da nochmal am Steuergerät mit dem Kippschalter nachregeln muss, aber das ist bei mir eher selten der Fall.

Viel Spaß !

Ansicht Fenster startklar